Human Rights Colloquium: “Presumption of Innocence under China’s ‘National Conditions’” mit Dr. Alexandra Kaiser

Am 21. Januar 2026 veranstaltete das FAU CHREN die Buchvorstellung von Dr. Alexandra Kaiser unter der Leitung von Professorin Eva Pils. Dr. Kaisers Buch über die Unschuldsvermutung unter den „nationalen Gegebenheiten“ Chinas befasst sich mit einem der umstrittensten Rechtsgrundsätze der chinesischen Strafjustiz: der Unschuldsvermutung.

Dr. Alexandra Kaiser warf einen Blick hinter die Kulissen der Gesetzgebung sowie auf die Verhandlungen zwischen Wissenschaftlern und Parteiorganen, um die Entwicklung der Strafjustiz in China nachzuvollziehen. Dr. Kaiser veranschaulichte die Entwicklung des akademischen Diskurses rund um dieses Konzept und zeichnete dessen Werdegang vor dem Hintergrund wechselnder politischer Konstellationen nach, von der Ära Mao Zedongs bis zur Führung unter Xi Jinping. Dr. Kaiser erläuterte, warum es im chinesischen Justizwesen keine Unschuldsvermutung gibt, und gab Einblicke in das Wechselspiel zwischen Recht und Politik im Laufe der Zeit. Sie hob hervor, wie Reformphasen, insbesondere in liberaleren Epochen, pluralistische Perspektiven und konstruktive Kritik innerhalb der institutionalisierten Wissenschaft ermöglichten, einhergehend mit einem wachsenden Interesse am Schutz der Menschenrechte. Im Gegensatz dazu zeigte Dr. Kaiser auf, wie die Vertiefung des Autoritarismus unter Xi Jinping das Strafrechtssystem in eine illiberalere Richtung neu definiert hat, wodurch die Verteidigung liberaler Werte unterdrückt und die jahrzehntelange Debatte über die Frage der Unschuldsvermutung in China beendet wurde.

Über die Referentin

Dr. Alexandra Kaiser präsentiert ihr Buch “Presumption of Innocence under China’s ‘National Conditions’”. Foto: Nathalie Schneider/FAU

Dr. Kaiser ist derzeit Akademische Rätin a.Z. (Assistenzprofessorin) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo sie dem Lehrstuhl für Menschenrechtsrecht angehört. Alexandras Forschungsschwerpunkt liegt auf China und Taiwan. Sie promovierte 2021 an der Universität zu Köln im Fachbereich China-Regionalstudien und Rechtswissenschaften. Alexandra verfügt über mehrjährige Erfahrung im akademischen Bereich und hat an der Tamkang-Universität in Taipeh, der Chinesischen Universität für Politikwissenschaft und Recht in Peking, der Universität Nanjing, dem Menschenrechtszentrum der Zentral-Süd-Universität in Changsha sowie am King’s College London studiert und geforscht. Ihre Forschung wurde unter anderem von der Academia Sinica und der Taiwan Foundation for Democracy gefördert. Bevor sie im März 2025 an den Lehrstuhl für Menschenrechtsrecht an der FAU wechselte, arbeitete Alexandra als Postdoktorandin am Institutum Iurisprudentiae der Academia Sinica in Taipeh. Zuvor war Alexandra als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für chinesische Rechtskultur der Universität zu Köln (2017–2020) und als Postdoktorandin am Lehrstuhl für Menschenrechtspolitik (Prof. Dr. Katrin Kinzelbach) der FAU tätig, wo sie ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt zu „Academic Freedin in the People’s Republic of China“ koordiniert hat (2021–2024).

Über das FAU CHREN Human Rights Colloquium

Das vom FAU Research Center for Human Rights Erlangen-Nürnberg (FAU CHREN) organisierte inter- und transdisziplinäre Kolloquium bringt Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen zusammen, um aktuelle Fragen der Menschenrechtsforschung und -praxis zu diskutieren.
Die Kolloquien finden fortlaufend statt und werden von Dr. Janina Heaphy und Prof. Dr. Eva Pils gemeinsam organisiert. Die Veranstaltungen sind nicht öffentlich; Anfragen können an die Organisator*innen gerichtet werden.