In Erinnerung an Theo van Boven

Foto: Dr. Rainer Huhle

Ein Nachruf von Dr. Rainer Huhle

Am 9. Mai 2026 verstarb in Maastricht Prof. Dr. Theodor van Boven. Geboren 1934, war der holländische Jurist und Diplomat ein unermüdlicher Verteidiger der universellen Menschenrechte.

Engagement gegen Unrecht und Diskriminierung

Schon früh engagierte sich van Boven in den Vereinten Nationen für die Verfolgten von Unrechtsregimen wie in Chile und Argentinien. Die Anerkennung des „gewaltsamen Verschwindenlassens“ als ein besonderes Menschenrechtsverbrechen ging wesentlich auf ihn zurück. Aber auch der Kampf gegen Diskriminierung und für die Rechte der indigenen Völker war ihm ein Herzensanliegen in den über 50 Jahren seines menschenrechtlichen Engagements.

Einsatz in UNO – aller Widrigkeiten zum Trotz

In der UNO hatte er zahlreiche Positionen übernommen, die er so ausfüllte, dass sie nicht allen Staaten gefielen. Auf Druck der USA wurde van Boven 1982 nicht im Amt des Direktors der Menschenrechtsabteilung der UNO (Division of Human Rights), des Vorläufers des heutigen Hohen Kommissars für Menschenrechte, bestätigt. Auch später, z.B. als Sonderberichterstatter über Folter, stieß er immer wieder auf großen Druck verschiedener Regierungen. Theo van Boven wusste um die Bedeutung der Strukturen des UN-Systems zum Schutz der Menschenrechte, er kannte die politischen Mechanismen, die dort wirksam sind, und wusste sie zu bespielen. Aber im Zentrum stand für ihn immer die Sache: Die Verteidigung der Menschenrechte.

Vermächtnis: „Grundsätze und Richtlinien zur Entschädigung von Opfern schwerer Menschenrechtsverletzungen“

Zu seinem vielleicht größten Vermächtnis dort gehören die von ihm entworfenen, in einem sehr partizipativen Prozess verfassten und 1993 erstmals der UNO vorgelegten „Grundsätze und Richtlinien zur Entschädigung von Opfern schwerer Menschenrechtsverletzungen“. In ihrer schließlich 2005 von der UN-Generalversammlung verabschiedeten Form wurden sie zu einem Eckpfeiler aller Bemühungen um die rechtliche und humanitäre Überwindung von Diktaturverbrechen („transitional justice“).

Bezug zu Nürnberg und dem FAU CHREN

In Nürnberg ist Theo van Boven vor allem als langjähriges Mitglied der Jury des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises seit 1995 in Erinnerung. Aber auch dem Nürnberger Menschenrechtszentrum (NMRZ) und dem FAU CHREN war er verbunden. Als er 2021 sein Büro als emeritierter Jura-Professor an der Universität Maastricht auflöste, schenkte er einen beträchtlichen Teil seiner dortigen Handbibliothek diesen beiden Einrichtungen.

Ein Teil der gespendeten Bücher für die Bibliothek des MA Human Rights. Foto: FAU CHREN/Natalia Wrzaszczyk.

Ich holte diesen Schatz damals mit dem Auto in Maastricht ab. Der Tag mit diesem großen Menschen, Gelehrten und Aktivisten bleibt mir unvergesslich. Gerade in Zeiten, in denen das Menschenrechtsschutzsystem der UNO unter großem Druck steht, kann uns Theo van Boven daran erinnern, dass es diesen Druck schon immer gab und geben musste. Aber auch, dass und wie man ihm widerstehen kann. Ausführlich kann man das z.B. dem Interview entnehmen, das ich 2021 mit ihm führen durfte.

Theo van Boven wird in Nürnberg in Erinnerung bleiben – als Vorkämpfer und Vorbild.

Ein Nachruf von Rainer Huhle.

Dr. Rainer Huhle ist FAU CHREN Mitglied, Mitbegründer des Nürnberger Menschenrechtszentrums (NMRZ) und lehrt im Masterprogramm Human Rights gemeinsam mit Prof. Dr. Laura Clérico den Kurs über Transitional Justice.